Wer nachts mit Herzrasen in die Notaufnahme kommt, denkt nicht an Förderbescheide oder
Bauplanungen. Man denkt: Hoffentlich ist da jemand, der hilft. Und man will, dass dieser
jemand nah ist – nicht 40 Kilometer entfernt in Braunschweig oder Hannover.
Genau deshalb war mein Besuch im Klinikum Peine für mich so eindrücklich.
Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Verwaltungsrat habe ich mir das
Klinikum noch einmal genau angeschaut: die Pflegeschule, die Stationen, die Notaufnahme,
die Gespräche mit der Geschäftsführung und dem Pflegeteam. Was mich dabei immer
wieder beeindruckt, ist das Engagement der Menschen, die dort jeden Tag arbeiten – unter
Bedingungen, die alles andere als einfach sind. In einem Gebäude aus den 1970ern, mit
Nachwirkungen einer Insolvenz, die das Haus fast das Leben gekostet hätte. Und trotzdem:
professionell, menschlich, nah.
Das Klinikum Peine ist kein selbstverständliches Gut. Es ist ein erkämpftes.
Wir Grünen haben dafür gekämpft. Als 2020 die Insolvenz kam und Stimmen laut wurden
das Haus aufzugeben oder an private Investoren zu verkaufen, haben wir gemeinsam mit
der SPD und breiten Teilen des Kreistags klar gesagt: Nein. Nicht mit uns. Ein Krankenhaus
ist keine Ware. Medizinische Versorgung ist ein öffentliches Gut, das der Gemeinschaft
gehört – und von ihr getragen werden muss.
Die Rekommunalisierung war richtig. Und sie war erst der Anfang.
Was ich in der Pflegeschule gesehen habe, gibt Hoffnung.
Junge Menschen aus Peine und aus aller Welt lernen hier ihren Beruf – engagiert, neugierig,
mit echtem Herzblut. Die Schulleiterin Dr. Sandra Heiligmann und ihr Team bauen hier etwas
auf, das dem Klinikum noch auf Jahre tragen wird: eigene Fachkräfte, ausgebildet vor Ort,
gebunden an die Region.
Das ist kein Luxus. Das ist notwendig. Denn der Fachkräftemangel ist das drängendste
Problem, dem sich das Klinikum heute gegenübersieht. Nicht Betten, nicht Geräte –
Personal. Und hier hat das Klinikum in den letzten Jahren bemerkenswert kluge Wege
gefunden: das FlexPool-Modell, eine eigene Kita, Wohnmöglichkeiten für Auszubildende,
interkulturelle Sprachförderung. Das ist nicht Verwaltungshandeln nach Schema F, das ist
echtes Kümmern um Menschen.
Und dann ist da der Neubau.
Ich sage es offen: Die Zahlen sind groß. 407 bis 462 Millionen Euro, ein Eigenanteil des
Landkreises von möglicherweise bis zu 116 Millionen – das ist kein Pappenstiel für einen
Landkreis unserer Größe. Wer das wegdiskutiert, tut der politischen Debatte keinen
Gefallen.
Aber ich sage genauso offen: Es gibt keine Alternative. Das ist keine politische Phrase, das
ist das Ergebnis einer nüchternen Variantenprüfung. Das Gebäude aus dem Jahr 1971 ist
nicht mehr zu retten. Wer jetzt am Neubau spart, gibt das Klinikum mittelfristig auf – und
damit die einzige Notaufnahme, die der Landkreis Peine hat.
Wir Grünen haben deshalb im April 2024 gemeinsam mit der SPD den Grundsatzbeschluss
für den vollständigen Ersatzneubau getragen. Christian Falk hat es im Kreistag auf den
Punkt gebracht: Das ist ein erster Grundstein für ein zukunftsfähiges Klinikum – und eine
Investition in die Zukunft aller Menschen in Peine.
Ich stehe dazu. Vollständig.
Wofür das Klinikum steht, zeigt sich auch in seiner Belegschaft.
Eine internationale Gemeinschaft arbeitet hier zusammen: Pflegekräfte aus Marokko, Indien,
Polen, Albanien, aus ganz Deutschland. Das bringt Vielfalt mit, es bringt manchmal auch
Herausforderungen in der Kommunikation und Einarbeitung – das wurde im Gespräch ganz
offen benannt. Aber es zeigt auch: Peine ist weltoffener als sein Ruf. Und ein öffentliches
Krankenhaus ist ein Ort, an dem Gesellschaft in ihrer ganzen Breite zusammenkommt.
Ein Krankenhaus, das seine Mitarbeitenden nicht abbrennt, sondern hält – das ist kein
Selbstläufer in Zeiten, wo Leiharbeit zur traurigen Normalität vieler Kliniken geworden ist.
Das Klinikum Peine setzt bewusst auf eine andere Philosophie: Aufbau statt Auslagerung,
Ausbildung statt Abhängigkeit.
Im Notfall zählt jede Sekunde.
Das gilt für die Patientin, die um 3 Uhr nachts eingeliefert wird. Es gilt aber auch für die
politische Entscheidung: Wenn wir jetzt nicht handeln, wenn der Förderbescheid kommt und
der Kreistag abstimmt, verpassen wir das Zeitfenster für eine Generation.
Dafür stehe ich. Dafür stehen die Grünen in Peine.
Das Klinikum hat eine schwere Vergangenheit hinter sich. Jetzt liegt eine gute Zukunft vor
ihm – wenn wir sie gemeinsam gestalten.


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